SPD Guben

Zwischen Volksgarten und Kometplatz

Allgemein

Turnhalle des Sportklubs Komet um 1925

Zum 150-jährigen Bestehen der SPD/1910 gab es bereits 761 Mitglieder

Die Gubener Sozialdemokratie hatte bereits vor dem Ersten Weltkrieg einen hohen Grad der Organisation zu verzeichnen. So zählte der ehemalige Ortsverein (außer in den Dörfern) 761 Mitglieder um 1910.

Die drei Reichstagswahlen 1903, 1907 und 1912 erbrachten der SPD anteilig die meisten Stimmen. Bei den Wahlen von 1912 erreichte sie im Stadtgebiet 3850 Stimmen (Nationalliberale: 3414). Es zogen 110 Abgeordnete in den Reichstag ein, darunter August Bebel und Friedrich Ebert
(1925 Reichstagspräsident, Denkmal in Guben von 1930).

Die Nahziele der Partei
Auf der Grundlage des Erfurter Programms von 1891 stehend, forderte die Partei als Nahziele unter anderem das Allgemeine Wahlrecht und den Achtstundentag, während im Fernziel (Erringung der politischen Macht) keine einheitliche Auffassung vorhanden war. Im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte änderte die SPD mehrfach ihr Programm – bis hin zum Jahr 1990.

Unter Einfluss der SPD standen zahlreiche Gubener Vereine, so der Arbeiter-Turnerbund (1899), der Arbeiter-Radfahrbund „Solidarität“ (1902), der Arbeiter-Gesangverein Sprucke oder der Sportclub „Komet“ (eigener Platz 1925 an der Kaltenborner Straße).

Politische Kundgebungen, Feiern und Feste bestimmen das Bild der Partei.
So informierte die „Märkische Volksstimme“ am 1. Mai 1913 zu einem großen Festzug der organisierten Arbeiter von der Bösitzer Straße zum Volksgarten an der Crossener Straße (heute Gubin, zerstört) mit der Festrede des
SPD-Abgeordneten Adolf Thiele.

Kommunalpolitik ab 1919
In der Weimarer Republik führte die SPD (Stand 1930) mit 13 Abgeordneten die stärkste Fraktion im Gubener Stadthaus am Neißeufer, gefolgt von den bürgerlichen Parteien mit zwölf, der KPD mit sieben und der Fraktion Mitte mit sechs Abgeordneten. Man wirkte in vielen der 28 städtischen Ausschüsse mit wie Haushalt, Volksbildung, Theater, Grundbesitz oder Verkehr.

Nach 1933 verboten und verfolgt, entstanden im Juni 1945 durch Zulassung der sowjetischen Militäradministration (SMAD) wieder die örtliche SPD, die KPD sowie die CDU und LDPD.
Nach Gründung der SED im Volkshaus im März 1946 kam es später zu einer Reihe von Verhaftungen früherer SPD-Mitglieder (Hampel, Beppler, Kracht, Kabel) als angebliche Agenten des SPD-Ostbüros (Heimatkalender 1994).

Die Neugründung der Sozialdemokratie unter dem anfänglichen Namen SDP erfolgte in Guben am 23. November 1989 durch Rudolf Wuttke, Uta Müller, Herbert Gehmert und weiteren Persönlichkeiten.

Über 20 Jahre wirken nun die Abgeordneten und Mitglieder des Ortsvereins Guben im Stadtparlament, bei städtischen Projekten, öffentlichen Veranstaltungen und Publikationen mit.

Gerhard Gunia

Lausitzer Rundschau vom 25./26. Mai 2013